»Du bist anders?« - Einsatzmöglichkeiten für Lehrkräfte


Hintergrundinformationen zu »Du bist anders?«


Diese Webseite ist eine Online-Ausstellung wissenschaftlich recherchierter Biographien Jugendlicher, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Gemeinsam ist allen Biographien die Darstellung von Selbstbehauptung oder Widerstand. Die Verfolgungshintergründe der Nationalsozialisten (Juden, »Zigeuner«, Asoziale, politisch Andersdenkende, Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung etc.) sind in den Biographien repräsentiert, diese stehen aber bewusst nicht im Vordergrund. Alle Biographien sind in fünf Abschnitte unterteilt, die jeweils in sich geschlossen verständlich sind, in allen Abschnitten finden sich ergänzende Quellen, Bilder oder Tondokumente. Auf der Startseite sind die fünf Abschnitte jeder Biographie durch farbige Würfel charakterisiert, hinter denen Sätze und Symbolbilder stehen, die einen jeweiligen Abschnitt einer Biographie zusammenfassen und illustrieren. Die Symbolbilder wurden und werden von beauftragten Künstlern gestaltet. Die Sätze sind bewusst so formuliert, dass sie so oder ähnlich auch für heutige Jugendliche gelten könnten.
»Du bist anders?« ist ein Projekt der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

Zielgruppe und Zielsetzung von »Du bist anders?«


Ziel der Online-Ausstellung ist es, heutige junge Menschen zwischen 11 und 18 Jahren für Erinnerung und Gedenken zu interessieren und idealerweise sogar für eine eigene aktive Beteiligung am Erinnerungsprozess zu gewinnen.
Die Texte der Biographien und ergänzenden Inhalte der Webseite sind für diese Altersgruppe konzipiert, kompliziertere Begriffe werden in per Mouseover verfügbaren kurzen Glossartexten erklärt. Alle Elemente der Darstellung dieser Biographien (Einstiegswege, Symbolbilder, Texte, Begleitdokumente) sollen junge Menschen heute ansprechen und sie auf die Spur eines jungen Menschen führen, der in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurde. Wo immer es möglich ist, werden Bezüge zu Lebenswelten heutiger Jugendlicher aufgezeigt (Träume, Berufswünsche, Pubertät, Elternhaus, Ort etc.).

Pädagogischer Einsatz von »Du bist anders?«


Die Einsatzmöglichkeiten von »Du bist anders?« in der schulischen und sonstigen pädagogischen Arbeit sind vielfältig.


Dabei sind verschiedene Einstiege möglich, die alle mit den entsprechenden Seiten der Biografien verlinkt sind. So sind Quereinstiege, aber auch eine vergleichende Betrachtung, zum Beispiel verschiedener Aussagen zum Thema »Hitlerjugend«, »Widerstand« oder »Patientenmorde« möglich. Einzelne Unterrichtsstunden oder ganze Themeneinheiten können mit dieser Online-Ausstellung fächerübergreifend gestaltet werden.

a) Einstieg aus der Startseite
Auf der Startseite öffnet sich die »Galaxie«, in der die unterschiedlichen Lebensgeschichten, vertreten durch Symbolbilder und damit korrespondierende Aussagesätze, »schweben«. Bilder und Texte sind zeitlos, sie sollen neugierig machen und eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen. Auf diesem Weg können die Jugendlichen spontan über das Visuelle sowie über Reizworte entscheiden, mit welcher Geschichte sie sich beschäftigen möchten.




b) Einstieg aus einer Themen-Wolke
Es steht eine »Themen-Wolke« zur Verfügung, in der klassisch historische Begriffe sowie allgemeine Schlagworte wie »Tanzen«, »Klamotten« oder »Mobbing« wiederum in die Biografien verweisen. Diese sind in wechselnder Zusammensetzung und Optik immer wieder neu zusammenstellbar. Über die Schlagworte, deren Komplettliste auch alphabetisch darstellbar ist, wird es für Lehrende einfach, zu bestimmten Unterrichtsthemen die entsprechenden Biografien zu ermitteln.



c) aus der Europa-Karte
Zudem gibt es eine Europakarte mit mehreren Zoom-Stufen, auf der die Aufenthaltsorte der Jugendlichen eingezeichnet sowie weitere Informationen zu den Orten abrufbar ist.



d) Einstieg aus der Zeitleiste
Soll sich die Beschäftigung auf ein bestimmtes historisches Ereignis beziehen, das gerade im Unterricht behandelt wird, kann man auch über einen Zeitstrahl mit zentralen Daten der europäischen Geschichte einsteigen. Parallel dazu sind wichtige Stationen im Leben der Jugendlichen verzeichnet, die mit dem allgemeinen Geschehen in Bezug gesetzt werden können.

Referatsfunktion


Ein besonderes Angebot besteht darüber hinaus darin, dass die Schüler nach ihrer Registrierung auf diesen Seiten Referate erstellen, hochladen und mit anderen teilen können: Dokumente, Fotos und andere Medien können in einem »Sammelkorb« abgelegt und in einen eigenen Text eingefügt werden. Mit der Export-Funktion kann dieses Referat dann auch ausgedruckt und in der Klasse verteilt werden.


Mitmachbereich


In einem gesonderten Bereich gibt es außerdem verschiedene Möglichkeiten, selbst Erinnerungsspuren zu hinterlassen und sich mit eigenen Gedanken, Recherchen und Fragen zu beteiligen. Angemeldete User können Handyvideos, Bilder oder Tonaufnahmen sowie Kommentare hinterlassen, die sich auf eine Biografie, aber auch heutige Menschenrechtsverletzungen oder Beispiele von Engagement und Zivilcourage beziehen.
In diesem »Mitmach«-Bereich soll mit Unterstützung der jugendlichen Nutzer ein eigenes virtuelles Erinnerungsarchiv geschaffen werden – eine zweite »Galaxie«, die sich erkennbar im Hier und Heute bewegt. Die Aufforderung »Zeigen, was ich denke« soll einen Raum öffnen, der es ermöglicht, sich mit philosophischen, gesellschaftspolitischen Aspekten und verschiedenen Formen von Erinnerungskultur zu beschäftigen: Die Jugendlichen können ihre Gedanken zu den Verfolgtengeschichten formulieren, also »gedenken«, sie können ihre Meinung äußern, eine eigene Spur auf dieser Seite hinterlassen und formulieren, welche Konsequenzen auch hinsichtlich heutiger Menschenrechtsverletzungen sie aus dem Erfahrenen ziehen. Das Ziel ist dabei nicht, eine Art »Kummerkasten« zu inszenieren, sondern durch die Betonung der Stärken der von uns porträtierten Jugendlichen und der Handlungsspielräume der Akteure den Blick auf das, was möglich ist, zu lenken.
Wir verstehen unsere Ausstellung nicht als fertiges Produkt, das nur eine Lesart zulässt, sondern bieten Begegnungen mit jugendlichen Verfolgten an, zeigen dabei, was uns wichtig war, und wollen damit in einen Dialog mit den Usern treten.


Zur Recherche der Inhalte


Einige der Jugendlichen, die wir in unserer Online-Ausstellung präsentieren, sind prominent; Sophie Scholl zum Beispiel oder Herschel Grynszpan. Die allermeisten aber sind der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt und wurden eigens für dieses Projekt in Archiven recherchiert. Der engen Kooperation mit dem Internationalen Suchdienst Bad Arolsen, der Zusammenarbeit mit diversen Landesarchiven, dem Museum Karlshorst, den Gedenkstätten Zeithain und Pirna-Sonnenstein, dem Museum zur Leningrader Hungerblockade, um nur einige zu nennen, haben wir viel zu verdanken. Im Ergebnis können wir jetzt eine große Bandbreite von Verfolgtenschicksale zeigen: Neben jüdischen Jugendlichen finden sich hier Sinti, als »asozial« Verfolgte, Homosexuelle, politisch Andersdenkende und Widerständler, Menschen mit Behinderung, Zeugen Jehovas, Kriegsgefangene, die Geschichte eines Leningrader Kindes aus der Zeit der Hungerblockade sowie Opfer der Wehrmachtsjustiz. Zwei Bereiche haben wir bislang nicht explizit berücksichtigt: Das große Thema »Exil«, das ein eigenes Forschungsfeld darstellt, sowie die breite Vielfalt von Zwangsarbeitsschicksalen, unter anderem, weil es hier bereits beeindruckende didaktische Möglichkeiten und Materialien gibt.
Nicht nur Akten und Papier haben uns Auskunft gegeben – es fanden auch zahlreiche Begegnungen mit Überlebenden oder Verwandten der Porträtierten statt.
Für Pädagogen entscheidend und allen Biographien gemeinsam ist, dass hier die Arbeit mit sauber wissenschaftlich belegten historischen Fakten gearbeitet wird, der literarischen Freiheit in der Gestaltung der Texte liegt immer echtes, fundiertes Wissen über das Leben der Porträtierten zugrunde.

Unterrichtsentwürfe und pädagogische Konzepte


Mithilfe der Unterrichtsentwürfe können die Verfolgung und Ausgrenzung, aber auch der Widerstand im Nationalsozialismus thematisiert werden. Die Schüler lernen die Strukturen der damaligen Zeit und deren Auswirkungen anhand der Biografien auf der Jugendwebsite kennen.

In der Regel wird dabei in Lerngruppen gearbeitet – die Präsentation der Ergebnisse vor der Klasse ist ein fester Bestandteil jedes Unterrichtsentwurfs. Es sollten mehrere Unterrichtseinheiten zur Verfügung stehen, unabdingbar sind PC-Arbeitsplätze (oder Tablets) für die Schüler.

  1. »Du bist anders?« – Ausgrenzung und (Zwangs-)Gemeinschaft
  2. »Du bist mutig!« – Formen des Widerstands
  3. »Erinnern, nicht vergessen.« – auf www.dubistanders.de selbst ein Gedenkzeichen hinterlassen

Die Stiftung Denkmal unterhält eine Kooperation mit Promethean, einem Anbieter von interaktiven Whiteboards. Hierfür stellen wir die folgenden Materialien zur Verfügung:

  1. Vorbereitung eines Denkmalsbesuchs – unter Nutzung von www.dubistanders.de
  2. »Denunziation oder Verrat?«

Die Software Active Inspire zum Öffnen und Verändern der Flipchart-Dateien können Sie kostenlos unter http://www1.prometheanplanet.com/de/ herunterladen. Die Unterrichtsentwürfe können auch auf einem Laptop/PC in nahezu gleicher Funktionalität verwendet werden (beispielsweise in Verbindung mit einem Beamer).

Perspektiven der Seite


Perspektivisch sollen Unterrichtskonzepte gerade auch für sogenannte bildungsferne Jugendliche erstellt und Schulen zur Mitarbeit und Erweiterung der »Galaxie« ermutigt werden. Die bereits vorhandene Zusammenarbeit mit anderen Gedenkstätten soll intensiviert und die Kollegen dazu ermutigt werden, »ihre« Jugendlichen auch unter dem Dach unserer Webseite zu präsentieren. Die Ergebnisse der pädagogischen Angebote könnten, im Sinne einer Anerkennung geleisteter Arbeit, in ein für alle sichtbares Publikationsforum überführt werden.